Mängelexemplar Frozen Band 2

€12.00

Ausverkauft

Leseprobe: 

Dieses Buch ist für alle, die den Wahnsinn lesen wollen und ganz

besonders für Jessy, die alles stehen und liegen lässt, sobald ich neuen Wahnsinn in die Welt bringe.Danke, dass ihr mit mir durchdreht, auf die angenehmste Art.

Achtung, Achtung!!!

 

Dark Romance lesen und lieben, ist nicht immer das gleiche. Es gibt die Art von Dark Romance, die dich heilen kann und die, die dich emotional zerstört. Bevor du dich also dazu entschließt in Band 2 meiner Dilogie abzutauchen, bitte ich dich die Trigger Punkte zu lesen.

 

Hier sind die wichtigsten Trigger:

  • Physische und psychische Gewalt

  • Machtmissbrauch und Kontrolle innerhalb von Beziehungen

  • Toxische familiäre Strukturen

  • Mord, Tod und organisierte Kriminalität

  • Traumatische Erfahrungen

  • Schwangerschaft und Geburt unter extremem emotionalem Stress

 

Es ist völlig in Ordnung, ein Dark Romance Buch nicht zu lesen oder zwischendurch abzubrechen. Solltest du dich entscheiden, weiterzulesen, wünsche ich dir viel Spaß und vor allem starke Nerven.

 

Prolog

 

Es gibt Menschen, die glauben, Verantwortung sei etwas, das man irgendwann übernimmt, wie eine Rolle, in die man hineinwächst, wenn die Umstände es verlangen, doch für mich war sie nie ein Moment, sondern ein Zustand. Etwas, das man trägt, ob man will oder nicht, und das sich nicht ablegen lässt, nur weil es unbequem wird.

Während andere schlafen, stehe ich am Fenster und sehe auf eine Stadt hinab, die niemals wirklich zur Ruhe kommt, auf Lichter, Bewegungen, auf Existenzen, die sich für sicher halten, weil sie ihre Gefahren nicht kennen, und je länger ich hinschaue, desto deutlicher wird mir, wie zerbrechlich all das ist, wie schnell Ordnung kippt, wenn niemand da ist, der bereit ist, Entscheidungen zu treffen, die nicht jeder treffen kann.

Ich habe früh verstanden, dass Kontrolle nichts mit Machtgehabe zu tun hat, sondern mit Weitsicht, mit der Fähigkeit, Situationen zu lesen, bevor sie eskalieren, Menschen einzuschätzen, bevor sie gefährlich werden, und Wege zu planen, bevor sie notwendig sind, weil Reagieren immer Schwäche bedeutet und Zögern oft das ist, was am Ende alles zerstört.

Man wirft mir Kälte vor, Berechnung, ein fehlendes Gespür für Grenzen, doch was andere Kälte nennen, ist für mich Klarheit, und was sie als Berechnung empfinden, ist nichts anderes als der Wille, Verantwortung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie bewusst zu tragen, selbst wenn der Preis dafür hoch ist.

Liebe ist in meiner Welt kein romantisches Ideal, kein Zustand, der sich gut anfühlt, solange er einfach bleibt, sondern eine Bindung, die schützt und bindet, die fordert und verpflichtet, und die vor allem bedeutet, dass man bereit ist, Konsequenzen zu tragen, egal wie schwer sie wiegen.

Es gibt Situationen, in denen Schutz leise ist, fast unsichtbar, und andere, in denen er laut wird, unnachgiebig, endgültig, und ich habe gelernt, dass man sich nicht davor drücken darf, diese Grenze zu überschreiten, wenn es notwendig ist, weil Wegsehen niemals neutral ist, sondern immer eine Entscheidung gegen denjenigen, der Schutz braucht.

Ich bin kein Mann, der an zweite Chancen glaubt, wenn sie Gefahr bedeuten, und ich vertraue nicht auf Glück oder Zufall, weil beides unzuverlässig ist, doch ich vertraue auf Vorbereitung, auf Entschlossenheit und auf die Gewissheit, dass alles, was mir gehört, nur dann sicher ist, wenn ich bereit bin, dafür einzustehen.

In letzter Zeit ist mir klar geworden, dass es Dinge gibt, die größer sind als jede Regel, jede Vorsicht, jede Grenze, die man sich selbst gesetzt hat, und dass man, wenn man einmal Verantwortung übernommen hat, nicht mehr entscheiden kann, ob man sie trägt, sondern nur noch wie weit man bereit ist, dafür zu gehen.

Wer glaubt, dass Ruhe Nachgiebigkeit bedeutet, irrt sich, wer meine Stille für Schwäche hält, versteht nicht, wie gefährlich Geduld sein kann, und wer versucht, mir zu nehmen, was unter meinem Schutz steht, wird sehr schnell begreifen, dass ich nicht verhandle, wenn es um das geht, was mir gehört.

Das ist keine Warnung und keine Rechtfertigung, sondern eine nüchterne Feststellung, die keiner Erklärung bedarf und die sich nicht ändern wird, egal, wie diese Geschichte weitergeht.

 

Kapitel 1 Liora

Schwebe ich irgendwo zwischen Himmel und Hölle?
Meine Gedanken rasen, prallen wie wütende Wellen gegeneinander und wirbeln durcheinander, bis mir schwindelig wird. Alles um mich herum fühlt sich gleichzeitig nicht real und schmerzhaft klar an. Neben mir, im schmalen Krankenbett, liegt Ricardo. Sein Gesicht ist noch bleich, die Lippen spröde seine Augen sind geöffnet und dieser schläfrige Blick verrät mir, dass er gerade erst erwacht ist. Hektor hat mir gesagt, dass Patrick Ricardo ins Koma geprügelt hat, ohne jedes Erbarmen, und allein der Gedanke daran lässt meine Hände zu Fäusten ballen, die Wut brennt mir in der Brust, heiß und unkontrollierbar.

Auf der anderen Seite steht Hektor, nah an meinem Bett. Er muss nichts sagen, um den Raum mit seiner Präsenz zu füllen. Diese Aura, die ihn umgibt, ist bedrohlich und doch auf eine Art tröstlich, die ich nicht einordnen kann. Er sagt mit fester und ruhiger Stimme, er lasse mich nie wieder allein. Worte, die mir einen Moment lang den Atem rauben. Will ich das? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll, weil alles in mir wie ein Kartenhaus ins Wanken gerät, vor allem wegen dieser Stimme. Sie klingt fremd und gleichzeitig so vertraut, dass mein Herz einen Schlag aussetzt.

Mein Blick wandert zur Tür, fast wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Und dann sehe ich ihn und mein Verstand weigert sich, es zu glauben. Ich muss tot sein. Anders kann das nicht sein. Denn wieso sonst sollte mein kleiner Bruder, den ich als Kind zuletzt gesehen habe, nun als junger erwachsener Mann in der Tür meines Krankenzimmers stehen?

Meine Kehle schnürt sich zu. Ich schüttle ungläubig den Kopf, als wollten meine Gedanken das Bild wegwischen, das sich mir gerade bietet. Tränen steigen in meine Augen, brennen heiß und laufen unaufhaltsam meine Wangen hinab. Am liebsten würde ich mich unter die Decke verkriechen, die Welt aussperren, bis alles wieder Sinn ergibt. Doch bevor ich mich bewegen kann, spüre ich eine schwere, warme Hand auf meiner Schulter. Hektor. Seine Berührung ist fest, aber nicht drückend, eher wie ein Anker, der mich davor bewahrt, völlig wegzutreiben.

Seine Stimme ist leise, fast sanft, als er sagt: »Liora, ich habe ihn für dich gefunden.« Meine Lippen öffnen sich, aber kein Ton kommt heraus. Er fährt fort: »Ich war in deiner Wohnung. Ich habe den Zettel gefunden, den du dort gelassen hast. Danach habe ich mich sofort auf die Suche nach Alex gemacht.«

Der Name lässt mein Herz stolpern. Alex. Mein Bruder. Es ist wahr, ich bin nicht tot.

Vorsichtig, fast so, als könnte er unter meiner Berührung zerbrechen, fahre ich mit den Fingerspitzen über seine Wange, als er sich auf die Kante meines Bettes setzt. Ich muss es mit meinen eigenen Händen spüren – dieses Zittern unter meiner Haut, diese Wärme, die mir sagt, dass er wirklich hier ist. Dass das alles real ist. Keine Einbildung. Kein Traum, aus dem ich gleich wieder brutal gerissen werde.

Alex zieht mich zögerlich in seine Arme. Als hätte er Angst, mich noch fester zu umschließen, aus Furcht, er könnte mich damit verletzen. Aber nein… nicht nach allem, was in den letzten Monaten passiert ist. Mehr, als ich schon verletzt wurde, kann mich kein Mensch mehr verletzen. Nicht körperlich. Nicht seelisch.

»Hör bitte auf zu weinen«, sagt er schließlich mit dieser Stimme, die so vertraut klingt, dass sie wie Balsam in mir nachhallt. Ruhig, sanft – als könnte sie das Zittern in meinem Inneren einfach wegwischen.

Mein Blick wandert an ihm vorbei zu Hektor. Ich atme tief durch, meine Lippen formen ein leises, fast tonloses »Danke«. Mehr bringe ich nicht heraus, aber es reicht. Er versteht. Hektor erwidert nichts, nickt nur knapp, dreht sich dann um und setzt sich schweigend zu seinem Bruder ans Bett.

Ich wende mich wieder ganz Alex zu. Jetzt, wo ich ihn endlich hier habe, will ich nichts unversucht lassen. Ich will alles wissen. Jede Kleinigkeit, die mir die letzten Jahre vorenthalten wurde. Wie es ihm geht. Wo er wohnt. Welche Schule er besucht. Ob es ein Mädchen in seinem Leben gibt, das sein Herz schneller schlagen lässt. Was seine Hobbys sind. Alles, was ihn zum Lächeln bringt und alles, was ihm vielleicht Kummer bereitet.

Wir reden. Und reden. Stundenlang, so fühlt es sich an. Die Zeit verliert jede Bedeutung, während er mir erzählt, was in meinem Leben gefehlt hat.

Und dann kommen die Worte, die mich zugleich treffen und kalt lassen. Er erzählt mir von unseren Eltern. Dass er ihnen gesagt hat, dass ich frei bin, weil ich unschuldig war. Dass sie sich schämen. Schämen. Ein so bedeutungsloses Wort, wenn man es auf diese beiden Menschen anwendet. Für mich sind sie tot. Gestorben in dem Moment, als sie mich im Stich gelassen haben. Ich will keinen Kontakt. Nicht jetzt. Nicht irgendwann.

Doch Alex Stimme wird weicher, als er mir von etwas Neuem erzählt. Etwas, das wie ein leiser Lichtstrahl in diese dunkle Wahrheit fällt: Wir haben noch einen kleinen Bruder. Nathan. Er holt sein Handy hervor, zeigt mir Fotos – so viele Fotos, dass ich kaum hinterherkomme. Ein Lachen in Kinderaugen, ein Gesicht, das mir völlig fremd ist und doch zu meiner Familie gehört.

Während ich Bild um Bild sehe, wird mir wieder einmal schmerzhaft bewusst, wie viel ich verpasst habe. Wie viele Jahre, wie viele Augenblicke an mir vorbeigezogen sind, während ich hinter Mauern gezählt habe, was ich nicht haben konnte. Aber das wird sich ändern. Das muss sich ändern. Ich werde dafür sorgen, dass wir in Kontakt bleiben. Dass keine weiteren Jahre in diesem Nichts verschwinden.

Schließlich verabschiedet sich Alex, drückt mich noch einmal fest, als wolle er den Moment in sich einbrennen. Und genau in dem Augenblick öffnet sich die Tür. Ein Arzt tritt ein, dicht gefolgt von einer Schwester. Sie wollen nach mir und Ricardo sehen.

Und für einen kurzen Atemzug, zwischen dem Gehen meines Bruders und dem Eintreten der beiden, liegt dieser Raum still da, gefüllt mit all den unausgesprochenen Versprechen, die ich eben gemacht habe.